Im Garten Eden (1. Mose 2)

So schuf Gott den Menschen: Er machte ihn aus der Erde und hauchte ihm Leben ein. Und Gott ließ ihn wohnen im Land Eden, in einem Garten mit vielen Bäumen und köstlichen Früchten. Der Mensch durfte ihn pflegen und seine Früchte ernten. Der ganze Garten war für ihn da. Da sprach Gott: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Gefährtin geben, die ihm gleich ist., die zu ihm gehört und die ihn versteht.“Und Gott brachte Tiere zu ihm. Und der Mensch gab ihnen Namen, jedem Tier einen besonderen Namen.Aber unter allen Tieren fand sich kein Tier, das dem Menschen gleich war. Mit keinem konnte er reden. Und kein Tier konnte den Menschen verstehen.Da ließ Gott den Menschen in einen tiefen Schlaf sinken. Und als er aufwachte, da war eine Frau bei ihm. Gott hatte sie ihm gegeben. „Endlich!“, rief er froh. „Das ist sie, meine Frau, der Mensch, der mir fehlte!“Nun war der Mensch nicht mehr allein. Nun gehörten sie zusammen: Frau und Mann, Mann und Frau. Gott hatte sie füreinander geschaffen.

Adam und Eva – Die Schlange (1. Mose 3)

Adam und Eva hießen die Menschen, die Gott geschaffen hatte. Sie lebten miteinander in Frieden. Sie kannten keine Angst und auch keine Schmerzen. Es fehlte ihnen an nichts. Gott war bei ihnen und sorgte für sie wie ein Vater für seine Kinder.Alles hatte Gott den Menschen gegeben. Alles, was im Garten wuchs, durften sie ernten und essen. Nur eines hatte Gott verboten: Mitten im Garten stand ein besonderer Baum, der „Baum der Erkenntnis“. Wer von diesem Baum aß, wusste, was gut und böse ist. Dieser Baum gehörte nur Gott. Gott hatte zu Adam gesagt: „Alle Früchte dürft ihr essen. Aber von diesem Baum sollt ihr keine Frucht essen. Sonst werdet ihr sterben.“Aber eines Tages geschah es: Eva ging mit Adam im Garten umher. Plötzlich hörte sie eine Stimme. Sie schaute sich um. Da entdeckte sie eine Schlange. Die sah sie listig an und flüsterte ihr zu: „Wie? Dürft ihr keine Früchte essen? Hat Gott das gesagt?“„Aber nein“, widersprach Eva. „Alles dürfen wir essen. Nur von dem Baum in der Mitte sollen wir nicht essen. Gott hat gesagt: `Esst nicht davon! Rührt seine Früchte nicht an! Sonst müsst ihr sterben.´“Aber die Schlange flüsterte: „Nein, glaub mir! Ihr werdet nicht sterben. Sondern ihr werdet wie Gott sein, so klug wie Gott selbst.“Da sah Eva den Baum an. Wie seine Früchte lockten! Eva streckte die Hand aus, pflückte eine Frucht, biss hinein und gab sie ihrem Mann. Der nahm die Frucht und aß auch davon.Auf einmal gingen den beiden die Augen auf. Plötzlich erkannten sie, dass die Schlange sie betrogen hatte. Sie schauten sich erschrocken an. Da sahen sie, dass sie nackt waren. Schnell rissen sie ein paar Feigenblätter ab und banden sie sich um.Schon kam der Abend heran. Da hörten sie, wie Gott durch den Garten ging. Voll Angst liefen sie davon und versteckten sich zwischen den Bäumen.Aber Gott hatte sie längst gesehen. „Adam“, rief er, „wo bist du?“ Zittern kam Adam aus seinem Versteck hervor. „Adam“, sprach Gott, „hast du von dem Baum gegessen?“ „Ja“, gab Adam zu, „ich habe es getan. Aber Eva war schuld daran. Sie gab mir die Frucht.“„Eva“, sprach Gott, „warum hast du das getan?“ „Ich war nicht schuld“, wehrte sich Eva. „Die Schlange war schuld. Sie hat mir gesagt, dass ich von dem Baum essen darf.“Da sprach Gott zur Schlange: „Verflucht sollst du sein, weil du das getan hast. Die Tiere werden dir aus dem Weg gehen und die Menschen dir feind sein.“Und zu Eva sprach Gott: „Du wirst viel Mühe haben in deinem Leben. Kinder wirst du gebären, aber mit Schmerzen.“Und zu Adam sprach er: „Auch du wirst es schwer haben. Felder wirst du bebauen. Aber Dornen und Disteln werden darauf wuchern. Und deine Arbeit wird viel Schweiß kosten.“Nun war mit einem Mal das Leben mit Gott zu Ende. Adam und Eva mussten den Garten verlassen. Gott wies sie selbst hinaus. Gerne wären die beiden wieder zurückgekehrt. Aber Engel mit feurigen Schwertern bewachten den Zugang zum Garten.Doch Gott ließ auch jetzt seine Menschen nicht los. Er erhielt sie am Leben und gab ihnen alles, was sie zum Leben brauchten: Kleider aus Fellen, um sie vor Kälte zu schützen, und Korn und Früchte um ihren Hunger zu stillen.Aber der Tag war noch fern, an dem Gott selbst zu den Menschen kommen würde, um sich mit ihnen zu verbinden, für immer.

Arche Noah (1. Mose 6-9)

Bald dachten die Menschen nicht mehr an Gott. Sie spielten sich auf, als seien sie selbst Gott, und verdarben alles, was er gemacht hatte. Sie raubten und mordeten und machten sich nichts daraus. Jeder dachte nur an sich selbst und tat, was ihm allein nützte. Da tat es Gott leid, dass er die Menschen gemacht hatte. Und er sprach zu sich: „Ich will die Menschen mitsamt der Erde verderben. Denn sie sind alle von Grund auf verdorben.“Nur einer war anders: Noah. Er hörte auf Gott und lebte, wie Gott es gefiel.Da sprach Gott zu Noah: „Bau die ein Schiff! Denn bald wird es regnen, so viel, dass alles Land im Wasser versinkt. Auch die Blumen und Bäume, sogar die Tiere und Menschen, alles, was lebt, wird ertrinken. Aber dich will ich am Leben erhalten, dich und deine Frau und deine drei Söhne mit ihren Frauen.“Da hörte Noah auf Gott. Und er baute die Arche, ein riesiges Schiff, so hoch wie ein Haus, drei Stockwerke hoch, mit zahllosen Kammern, mit Tür und Fenster und einem richtigen Dach.Danach sprach Gott: „Nun wähle von allen Tieren je ein Paar aus und bringe sie in die Arche hinein! Denn auch sie will ich am Leben erhalten.“Und schon kamen sie an, Löwen und Schafe, auch Vögel und Käfer, alles was kriecht und was Beine hat. Von allen brachte Noah je ein Paar in die Arche, wie Gott es gesagt hatte. Auch schaffte er für die Tiere gewaltige Mengen an Futter herbei.Darauf ging Noah selbst in die Arche hinein, er, seine Frau und seine drei Söhne mit ihren Frauen. Und Gott selbst schloss die Tür hinter ihm zu. Sieben Tage lang blieb es still auf auf der Erde. Dann verschwand die Sonne hinter den Wolken. Der Himmel wurde ganz schwarz. Ein furchtbarer Regen brach los. Es schüttete. Es goss in Strömen. Die Flüsse traten über die Ufer. Sie überschwemmten das Land. Menschen und Tiere ertranken. Bald stand alles Land unter Wasser. Und immer noch hörte der Regen nicht auf. Das Wasser stieg höher und höher, bis zu den höchsten Bergen empor. Schließlich war nichts mehr zu sehen, nur Wasser – ein unendliches Meer! Aber die Arche schwamm auf dem Meer, ruhig und sicher. Kein Tropfen Wasser drang in sie ein. Vierzig Tage lang dauerte der furchtbare Regen. Da dachte Gott an Noah und setzte dem Regen ein Ende. Der Himmel riss auf. Die Wolken verschwanden. Und am blauen Himmel strahlte wieder die Sonne. Aber noch war alles Land von den Fluten bedeckt.Tage und Wochen vergingen. Das Wasser sank nur ganz langsam. Die Arche trieb immer noch ziellos dahin. Endlich, nach vielen Wochen, lief sie auf einen Berg auf. Der lag noch ganz unter Wasser. Aber nach und nach trat die Spitze des Berges aus dem Wasser hervor. Nun wusste Noah: Bald ist es soweit. Er öffnete das Fenster und ließ eine Taube hinausfliegen. Aber am Abend kam die Taube zurück. Sie hatte kein Futter gefunden. Da wartete Noah noch eine Woche. Danach ließ er nochmal die Taube hinausfliegen. Und wieder kam sie zurück. Aber diesmal hielt sie ein Ölblatt im Schnabel, als wollte sie sagen: „Seht doch, die Bäume tragen schon wieder Blätter!“Noch eine Woche verging. Danach ließ Noah noch einmal die Taube hinausfliegen. Aber diesmal kam sie nicht mehr zurück. Da deckte Noah das Dach ab und schaute hinaus. Und sieh da: Das Land war überall trocken.Und Gott sprach zu Noah: „Nun geh aus der Arche, du und deine Frau und deine drei Söhne mit ihren Frauen, dazu alle Tiere!“ Da machte Noah die Tür weit auf. Menschen und Tiere stürmten hinaus. Wie schön war die Erde wieder! So schön wie am Anfang! Aus dem Boden spross grünes Gras. Und überall blühten Blumen.Da baute Noah einen Altar und brachte Gott Opfer. Gott hatte sein Versprechen gehalten und alle am Leben erhalten, Menschen und Tiere. Wie dankbar war Noah dafür! Aber was hatte Gott in Zukunft mit ihnen vor? Würde er die Erde noch einmal vernichten?Da sprach Gott zu Noah: „Ich will die Erde nicht mehr verderben. Nie mehr soll es so eine große Flut geben. Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Und wenn noch einmal ein großes Unwetter kommt, sodass ihr euch fürchtet, dann schaut zum Himmel! Dort steht in den Wolken mein Bogen. Er ist das Zeichen, dass ich mein Versprechen halte.“Und als Noah aufschaute, da sah er am Himmel einen großen Regenbogen. Der spannte sich über die Erde von einem Ende zum andern und leuchtete in allen Farben. Da dankte Noah Gott für sein großes Versprechen. Und er fing wieder von vorn an. Er pflügte die Erde, legte Äcker und Weinberge an, säte und pflanzte. Und Gott ließ wachsen und reifen, was er gepflanzt hatte.

Turmbau zu Babel, 1. Mose 11, 1-9

Bald gab es wieder viele Menschen auf der Erde. Sie sprachen dieselbe Sprache und wohnten in Zelten. Wo es ihnen gefiel, schlugen sie ihre Zelte auf und ließen sich nieder. So zogen sie nach Osten und kamen in die Ebene Schinar, in ein weites und fruchtbares Land.Da riefen die Menschen: „Hier gefällt es uns. Hier wollen wir bleiben.“ Und sie sagten zueinander: „Auf, worauf warten wir noch? Wir wollen Häuser bauen aus festen Steinen, richtige Häuser mit Dächern, Fenstern und Türen.“Und sogleich fingen sie an. Sie formten Steine aus Lehm, brannten sie in der Hitze und fügten die Steine zusammen. Aber die Menschen riefen: „Auf, wir bauen noch mehr! Eine Stadt wollen wir bauen mit Häusern, Straßen und Plätzen und eine Mauer ringsum. Dann bleiben wir für immer zusammen.“Und sogleich fingen sie an und bauten die Stadt Babel, eine riesige Stadt mit vielen Häusern, Straßen und Plätzen und einer dicken Mauer ringsum.Aber die Menschen riefen:„Auf, wir können noch mehr! Einen Turm wollen wir bauen, so hoch wie der Himmel! Dann sind wir die Größten, und alle Welt redet später von uns.“„Ja, das ist gut“, riefen alle begeistert. „Auf, worauf warten wir noch?“ Und sogleich fingen sie an, schleppten eifrig Steine herbei und setzten einen Stein auf den andern.Der Turm wuchs. Er wurde höher und höher. Bald ragte er über die ganze Stadt. Aber die Menschen riefen: „Noch höher! Viel höher! So hoch wie der Himmel! Wir geben nicht auf.“Aber Gott sah herab auf die Stadt und den Turm. Er sah, was die Menschen planten. Da sprach er zu sich: „So sind die Menschen. Immer mehr wollen sie haben. Nie ist es ihnen genug. Am Ende wollen sie selber wie Gott sein.“Und Gott ließ geschehen, was keiner gedacht hätte: Die Menschen bekamen untereinander Streit. Keiner konnte mehr den andern verstehen. Jeder sprach nur noch seine eigene Sprache. Schließlich sprach niemand mehr mit dem andern.Da warfen die Leute ihre Arbeit hin und zogen aus der Stadt, jeder in eine andere Richtung.Der Turm aber blieb zurück, halb fertig und verlassen. Und alle, die später vorübergingen, zeigten auf ihn und sagten: „Seht doch den Turm von Babel! Seht, was sich die Menschen von damals ausgedacht haben! Sie wollten zusammenhalten. Aber sie wurden zerstreut. Sie wollten groß und stark sein, doch was ist von ihnen geblieben?“

Abraham opfert seinen Sohn, 1. Mose 22

Isaak wuchs heran. Sein Vater hatte ihn sehr lieb, lieber als alles auf der Welt.Eines Nachts aber wachte Abraham plötzlich auf. „Abraham!“, rief eine Stimme. Abraham horchte auf. War das nicht die Gottes Stimme? „Abraham!“, sprach Gott. „Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du so lieb hast! Nimm ihn an deine Hand und geh mit ihm in das Land Morija. Dort will ich dir einen Berg zeigen. Auf dem sollst du Isaak opfern.“Abraham war wie betäubt. Isaak opfern? Seinen geliebten Sohn sollte er hergeben? Gott hatte ihm doch dieses Kind geschenkt! Er hatte doch versprochen: „Dein Sohn wird leben und in diesem Land wohnen.“Abraham konnte es nicht fassen. Aber er sagte nichts, kein einziges Wort. Stumm wartete er, bis der Morgen anbrach. Da stand er von seinem Lager auf, ging hinaus vor sein Zelt, sammelte Holz für das Opfer, spaltete es und lud es auf seinen Esel. Dann weckte er Isaak, seinen Sohn, nahm ihn an der Hand und machte sich mit ihm auf den Weg, wie Gott gesagt hatte. Drei Tage lang wanderten sie durch das Land, Abraham und sein Sohn Isaak, dazu zwei Knechte, die den Esel führten.Endlich sah Abraham in der Ferne den Berg, von dem Gott gesprochen hatte. Da blieb Abraham stehen, wandte sich zu seinen Knechten und sagte: „Bleibt ihr hier mit dem Esel und wartet auf uns! Ich will mit Isaak auf den Berg gehen und dort opfern. Danach kehren wir wieder zurück.“Und Abraham nahm ein Gefäß mit glimmender Glut und ein Messer in seine Hand, lud seinem Sohn Isaak das Holz auf den Rücken und stieg mit ihm auf den Berg. Lange Zeit wanderten die beiden nebeneinander her, Hand in Hand. Keiner sagte ein Wort.Da hielt es Isaak nicht länger aus. „Mein Vater!“, sagte er. „Ja, hier bin ich. Was ist, mein Sohn?“Isaak zeigte auf das Holz und auf das Gefäß. „Sieh doch! Wir haben zwar Holz und Feuer für unser Opfer. Aber wo ist das Schaf, das wir opfern?“„Mein Sohn“, sagte Abraham, „Gott wird es uns geben.“Da fragte Isaak nichts mehr. Stumm stiegen sie weiter hinauf, beide miteinander, Hand in Hand, bis sie endlich auf dem Berg waren. Dort baute Abraham einen Altar. Er trug große Steine zusammen, schichtete sie auf, legte das Holz darauf und auf das Holz legte er – Isaak, seinen geliebten Sohn!Doch plötzlich, was war das? Rief da nicht jemand? „Abraham! Abraham!“ „Ja, hier bin ich“, antwortete er erschrocken. Da hörte er wieder die Stimme, ganz deutlich: „Abraham! Rühr Isaak nicht an! Gott weiß, dass du bereit bist, ihm alles zu geben, sogar deinen Sohn. Aber Gott will dieses Opfer nicht haben.“Auf einmal raschelte es. Abraham wandte sich um. Da sah er einen Widder, der hatte sich mit seinen Hörnern in einem Dornstrauch verfangen. Schnell griff Abraham zu, packte den Widder an seinen Hörnern, legte ihn auf den Altar und opferte ihn an Isaaks Stelle. Da wusste Abraham: Gott hat alles gesehen. Und er nannte den Ort: „Gott sieht“.Und Gott sprach zu Abraham: „Weil du auf meine Stimme gehört hast, verspreche ich dir: Ich will deinen Sohn segnen. Auch seine Kinder will ich segnen. Und auch ihre Kinder will ich wieder segnen. So viele Kinder werden es sein wie Sterne am Himmel und wie Sand am Meer. Durch sie sollen einmal alle gesegnet werden, alle Völker der Erde.“Dankbar kehrte Abraham mit seinem Sohn Isaak heim. Gott hatte ihn über alles Erwarten beschenkt.

Jericho fällt (Josua 6)

Auf den Stadtmauern von Jericho standen Wachsoldaten und spähten ins Land hinaus. Plötzlich sahen sie die Israeliten kommen. „Sie kommen!“, riefen die Soldaten. „Schnell, schließt die Tore und macht euch zum Kampf bereit!“ Die Israeliten rückten näher heran. Wie in einem Festzug, so feierlich kamen sie an. An der Spitze marschierten die Männer. Dann folgten die Priester in festlichen Kleidern. Sieben Priester mit sieben Posaunen gingen vor der Lade Gottes her. Die anderen Priester trugen die Lade auf ihren Schultern. Auch Frauen und Kinder waren dabei. Sie alle zogen schweigend einmal um die ganze Stadt. Nur die Priester bliesen immerzu in ihre Posaunen. Dann verschwanden sie, wie sie gekommen waren.Am nächsten Tag rückten sie erneut an., zogen einmal um die Stadt und verschwanden wieder.Auch am nächsten und übernächsten Tag rückten die Israeliten an. Tag für Tag zogen sie um die Stadt und verschwanden dann wieder. Den Soldaten auf der Mauer und den Bewohnern der Stadt wurde es ganz unheimlich zumute. „Was für ein seltsames Volk!“, sagten sie sich. „Was haben sie vor? Warum greifen sie nicht an?“Sie ahnten ja nicht, dass Gott zu Josua gesagt hatte: „Zieht mit der Lade Gottes um die Stadt! Sieben Tage lang sollt ihr um die Mauern von Jericho ziehen. Aber am siebten Tag sollt ihr siebenmal um die Stadt ziehen. Dann wird Gott euch die Stadt übergeben.“Endlich brach der siebte Tag an. Noch war es dunkel ringsum. Aber schon rückten die Israeliten wieder an. Sie zogen um die Mauern der Stadt, doch nicht nur einmal, nein, zweimal, dreimal und immer wieder, siebenmal. Da, beim siebten Mal, geschah es. Die Priester bliesen in ihre Posaunen. Auf einmal brachen alle Israeliten in lautes Geschrei aus. Sie schrien und jubelten, als hätten sie schon gesiegt.Und sieh da! Plötzlich bebte die Erde. Die Türme schwankten. Die Mauern zitterten. Und ehe die Soldaten von Jericho es recht begriffen, stürzten die Mauern ein und begruben alle unter ihren Trümmern.Da stiegen die Israeliten über die Trümmer, stürmten die Stadt und nahmen sie ein. Nur ein Haus blieb verschont. Dort hing ein rotes Seil aus dem Fenster. Es war das Haus, das Rahab gehörte. Bald darauf nahmen die Israeliten das ganze Land ein. Sie zogen über die Berge, drangen vor in die Täler und nahmen die Städte ein., eine nach der anderen. Danach bauten sie Häuser, pflanzten Ölberge und legten Weinberge, Gärten und Felder an. Sie säten und sie ernteten und füllten ihre Scheunen mit Korn. Nun wohnten sie endlich in ihrem eigenen Land. Gott hatte es ihnen gegeben: das Land hieß Kanaan, das später „Israel“ hieß.

David und Goliath (1. Samuel 17)

Eines Tages brach ein Krieg mit den Philistern aus. Die Philister waren ein mächtiges Volk, viel mächtiger als die Israeliten. Sie hatten starke Soldaten mit blitzenden Waffen und rückten mit einem gewaltigen Heer gegen die Israeliten vor. Da sammelte Saul sofort alle Israeliten um sich und zog mit ihnen gegen die Philister. In einem Tal trafen beide Heere aufeinander. Die Israeliten richteten ihr Lager auf der einen Seite des Tales,. Die Philister hatten ihr Lager auf der anderen Seite.Unter den Philistern aber war ein Soldat, der hieß Goliath. Er war so groß wie ein Baum und so stark wie ein Löwe, größer und stärker als alle anderen Philister. Er trug einen schweren Panzer und einen blitzenden Helm. An seiner Hüfte hing ein riesiges, scharfes Schwert. Und auf seiner Schulter trug er einen Wurfspeer, der so lang war wie ein Baum.Jeden Tag stellte sich Goliath vor das Lager der Philister und rief zu den Israeliten hinüber: „Wer von euch Israeliten wagt es mit mir zu kämpfen? Ha! Ihr Feiglinge wagt es ja nicht. Ich bin viel stärker als ihr.“ Dazu fluchte er laut und lachte aus vollem Hals, sodass es durch das ganze Tal dröhnte.Jeden Tag kam Goliath, morgens und abends. Und jeden Tag rief er dasselbe, fluchte und höhnte. Und jedes mal zitterten die Israeliten vor Angst, wenn sie ihn kommen sahen. Keiner wagte, mit ihm zu kämpfen. Nicht einmal Saul wagte es, auch nicht Jonathan, sein tapferer Sohn.So vergingen viele Tage. Da kam eines Tages David zum Heerlager, um nach seinen Brüdern zu schauen. Als er bei dem Heer ankam, stand gerade wieder Goliath auf dem Hügel, breitbeinig und riesig. „Ihr Feiglinge!“ schrie Goliath zu den Israeliten herüber. „Kommt doch und kämpft mit mir! Warum traut ihr euch nicht? Hilft euch euer Gott nicht mehr?“Als David das hörte, wurde er zornig. Wie? Goliath machte sich über Gott lustig? Gab es denn keinen, der ihm widersprach? Nein, alle zitterten vor ihm und flohen, wenn sie ihn sahen.„Und wenn ich mit ihm kämpfe?“, fragte David die anderen. „Dann macht dich der König reich und gibt dir seine Tochter zur Frau.“ Doch Eliab, Davids ältester Bruder, rief zornig: „Was fällt dir ein? Warum bist du überhaupt hier? Ich kenne dich gut. Du machst dich nur wichtig.“ Aber David gab nicht auf: „Und wenn ich doch mit ihm kämpfe?“Da führten sie David zu Saul. Der saß in seinem Zelt und ließ den Kopf hängen. „Nur Mut!“ rief David ihm zu. „Ich will mit Goliath kämpfen.“Aber Saul sah David ungläubig an. „Unmöglich!“, rief er. „Du bist viel zu jung. Goliath ist ein starker Soldat. Keiner kann so gut kämpfen wie er.“ Doch David antwortete: „Ich habe schon mit Löwen und Bären gekämpft. Ich habe keine Angst vor diesem Philister. Gott wird mir helfen.“„Dann geh!“ sagte Saul. „Gott helfe dir!“ Und er gab David seinen Panzer, setzte ihm seinen Helm auf den Kopf und reichte ihm sein Schwert. Aber das Schwert war viel zu groß. Und der Panzer war viel zu schwer. David konnte darin nicht gehen. Er zog den Panzer wieder aus, setzte den Helm ab und gab das Schwert zurück.Dann nahm er seinen Hirtenstab, und seine Steinschleuder, ging hinunter zum Bach, und suchte fünf glatte Steine und steckte sie in seine Tasche. So lief er Goliath entgegen. Als aber Goliath ihn kommen sah, lachte er laut, fluchte und rief: „Was willst du hier, du Wicht? Nicht einmal ein Schwert hast du bei dir. Nur einen Stock! Willst du mich etwa mit dem Stock jagen wie einen Hund? Komm nur her, Bürschchen! Dir werde ich´s zeigen! Bei Gott, ich schlag dich tot! Die wilden Tiere sollen dich fressen.“Goliath schrie furchtbar. Alle zitterten, als sie ihn hörten. Doch David blieb ruhig. Er ging auf Goliath zu und rief ihm entgegen: „Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Speer. Aber ich komme zu dir im Namen des starken Gottes, den du verhöhnt hast.“ Blitzschnell holte er einen Stein aus der Tasche, legte ihn in seine Schleuder – und schon sauste der Stein durch die Luft und traf den Riesen an seiner Stirn. Goliath schwankte, stürzte und schlug mit dem Kopf auf die Erde.Da lag er nun, der riesige Goliath, und rührte sich nicht. David aber lief schnell zu ihm hin, packte sein großes Schwert und hieb ihm den Kopf ab.Als die Philister das sahen, flohen sie alle, so schnell sie konnten. Aber die Israeliten jagten ihnen nach bis über die Grenze.Da war der Jubel groß bei allen Israeliten. Fröhlich kehrten sie heim und erzählten allen, was Gott durch David getan hatte.


Jona (Jona 1-4)

Zu jener Zeit gab es noch ein anderes Volk, das Israel bedrohte, das Volk der Assyrer. Es war viel mächtiger als das Volk der Syrer und alle anderen Völker ringsum. Es hatte ein riesiges Heer und einen mächtigen König. Der herrschte wie ein Gott in der großen Stadt Ninive.Die Israeliten zitterten vor Angst, wenn sie an die Assyrer dachten. Sie sagten sich: „Hoffentlich kommen die Assyrer nicht eines Tages zu uns und nehmen unser Land ein. Dann ist es aus mit uns allen.“ Auch erzählten sie sich furchtbare Geschichten von den grausamen Assyrern und der gottlosen Stadt Ninive.Aber eine Geschichte war anders als alle anderen: die Geschichte von dem Propheten Jona, den Gott nach Ninive sandte. Und dies ist seine Geschichte:Jona war ein Prophet in Israel. Eines Tages sprach Gott zu ihm: „Jona, steh auf! Verlasse dein Land und geh in die Stadt Ninive! Warne die Menschen dort! Denn sie richten großes Unheil an.“Da erschrak Jona. „Nach Ninive?“, sagte er sich. „Nein, da gehe ich nicht hin. Dort wohnen doch meine Feinde! Sollen die Menschen dort machen, was sie wollen! Mich geht das nichts an. Ich gehe nicht nach Ninive. Aber ich weiß, was ich mache: Ich laufe einfach davon. Dann kann mich Gott nicht mehr finden. Dann muss ich auch nicht nach Ninive gehen.“Da stand Jona auf und lief weg. Nicht nach Ninive, sondern zum Meer lief er. Dort lag ein Schiff im Hafen, das fuhr zu der fernen Stadt Tarsis, die weit im Westen lag. Jona ging hin und bat: „Kann ich mit euch fahren?“ Und er zahlte das Fahrgeld, stieg in das Schiff und fuhr auf und davon.Der Wind blies voll in die Segel. Das Schiff glitt ruhig durchs Wasser. Aber Jona sah nichts davon. Er lang ganz unten im Schiff und dachte zufrieden: Hier kann mich Gott nicht sehen.Da zog plötzlich ein Unwetter auf. Der Himmel wurde ganz schwarz. Es blitzte. Es donnerte. Der Sturm brauste und peitschte über das Wasser. Und haushohe Wellen schlugen gegen das Schiff, sodass es krachte. Da erschraken alle Matrosen und schrien vor Angst. Sie hoben die Hände zum Himmel und beteten zu ihren Göttern: „Rettet uns! Helft uns, ihr Götter!“Aber Jona lag unten im Schiff. Er schlief tief und fest. Da stieg der Kapitän zu ihm hinab, rüttelte ihn wach und rief: „Was fällt dir ein? Wie kannst du jetzt schlafen? Steh auf! Ruf deinen Gott an! Vielleicht hilft er uns.“Da stand Jona schnell auf und ging zu den anderen an Deck. Als er aber den Sturm und die Wellen sah, da wusste er plötzlich: Gott hatte ihn gefunden.„Bist du schuld an dem Sturm?“ fragten ihn die Matrosen. „Ja“, sagte Jona, „ich bin es.“ Die anderen schauten Jona entsetzt an. „Wer bist du denn?“, fragten sie. „Und woher kommst du?“Jona antwortete: „Ich komme aus dem Land Israel. Und ich glaube an Gott, den Herrn, der die Erde und alle Meere gemacht hat. Aber ich bin vor ihm geflohen. Darum hat er diesen Sturm geschickt.“ „Aber“, so fragten die anderen, „was sollen wir nun mit dir machen?“Jona schlug vor: „Werft mich ins Wasser! Dann hört der Sturm auf.l“ Aber die Matrosen wollten es anders versuchen. Sie legten sich in die Ruder und ruderten mit aller Kraft. Doch sie kamen gegen den Wind nicht an.Da wussten sich die Matrosen keinen Rat mehr. „Ach Herr“, beteten sie, „vergib uns, was wir jetzt tun!“ Und sie packten Jona und warfen ihn in das Wasser. Da hörte der Sturm plötzlich auf. Die Wellen legten sich. Und der Himmel hellte sich auf. Als die Matrosen das sahen, beteten sie Gott an und brachten ihm Opfer.Aber Jona? Was wurde aus ihm? Ertrank er im Meer? Nein, Gott schickte einen riesigen Fisch. Der verschluckte Jona mit Haus und Haar. Und noch bevor Jona begriff, was mit ihm geschah, saß er im Bauch des Fisches. Es war dunkel um Jona her und sehr eng. Aber er war gerettet!Da sang Jona ein Danklied und sprach dieses Gebet: "Ich rief zu dem Herrn in meiner Angst. Und er antwortete mir. Wasser umgaben mich und gingen mir ans Leben. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr, mein Gott!“
Nach drei Tagen spuckte der Fisch Jona aus und schleuderte ihn an die Küste. Da sprach Gott noch einmal: „Jona, steh auf! Geh nach Ninive! Sag den Menschen dort alles, was ich dir sagen werde!“ Da gehorchte Jona, stand auf und ging nach Ninive. Aber wie staunte er, als er die Stadt sah! Sie war viel größer und schöner als alle anderen Städte. Drei Tage brauchte man, um von einem Ende zum anderen zu kommen.Jona ging in die Stadt hinein. Entsetzt sah er, was dort auf den Straßen und Plätzen geschah. Die Menschen waren brutal und schreckten auch nicht vor dem Schlimmsten zurück. Und plötzlich wusste Jona, was er diesen Menschen von Gott mitteilen sollte. Er stellte sich mitten auf den Marktplatz und rief lauf: „So spricht Gott, der Herr: Es sind noch vierzig Tage, dann wird Ninive untergehen.“Da horchten die Menschen auf. Sie blieben stehen. Sie wurden blass. Sie schauten einander entsetzt an. Immer mehr Menschen kamen und hörten, was Jona rief. „Was sollen wir tun?“, fragten alle erschrocken. „Wir haben Gott beleidigt.“ „Wir wollen beten.“ „Wir wollen uns ändern.“ So riefen sie durcheinander.Als aber der König davon hörte, legte er seinen Königsmantel ab, zog sein Trauerkleid an und befahl allen: „Lasst euer Streiten, Schlagen, Stehlen und Morden! Und betet zu Gott! Vielleicht wendet er das Unglück noch einmal von uns ab.“ Und alle die in Ninive wohnten, beteten zu Gott, Frauen, Männer und Kinder.Jona aber baute sich draußen vor der Stadt eine Hütte. Dort setzte er sich hin und wartete darauf, dass die Stadt zerstört würde. Endlich sollen die Menschen ihre gerechte Strafe bekommen! Aber es geschah nichts. Ninive stand immer noch in seiner Pracht da. Da packte Jona der Zorn. Er klagte Gott an: „Ich hab´s mir gleich gedacht! Darum wollte ich auch nicht nach Ninive gehen. Du tust ja doch nicht was du sagst. Du lässt dich wieder überreden. Und am Ende vergibst du den Menschen.“Auf einmal sah Jona eine Pflanze, die sich an seiner Hütte hochrankte. Ihre Zweige reichten schon über das Dach. Jona wunderte sich. Er hatte gar nicht gemerkt, wie sich gewachsen war. „Nun habe ich endlich Schatten vor meiner Hütte“, sagte er zu sich selbst. „Wenigstens ein kleiner Trost!“Aber am nächsten Morgen waren die Blätter welk. Da schimpfte Jona mit Gott: „Warum lässt du die Pflanze wachsen, wenn du sie mir gleich wieder wegnimmst? Nun habe ich keinen Schatten mehr. Die Sonne sticht mir auf den Kopf. Ich mag nicht mehr. Am liebsten möchte ich sterben.“Aber Gott sprach zu Jona: „Wie, Jona? Dir ist leid um die Pflanze weil sie verdorrt ist? Aber um die Menschen in Ninive ist s dir nicht leid? Du kannst ruhig zusehen wie sie sterben? Ich kann das nicht. Ich kann nicht mit ansehen, wie sie verderben, Menschen und Tiere.“Da schwieg Jona und dachte bei sich: Wie geduldig und barmherzig ist Gott mit seinen Menschen – und sogar mit mir!

Geburt Jesu (Lukas 2, 1-20)

Endlich war es soweit: Der Retter kam in die Welt!Zu jener Zeit aber war Kaiser Augustus der mächtigste Herrscher der Welt. Er regierte in Rom über ein riesiges Reich. Und alle Welt musste tun, was der Kaiser befahl.Eines Tages schickte Augustus Boten in alle Länder und Städte. Und er ließ überall ausrufen: „So befiehlt der Kaiser Augustus: Alle Menschen in meinem Reich sollen gezählt werden. Darum macht euch auf! Zieht in eure Heimat, in die Stadt eurer Vorfahren, und lasst euch dort zählen und eure Namen in Listen eintragen!“Da machten sich alle auf den Weg und zogen in ihre Heimat, wie der Kaiser es befohlen hatte. Auch Josef machte sich von Nazareth auf und zog nach Bethlehem, in die Stadt seiner Vorfahren, aus der einst König David kam. Maria, seine Verlobte, begleitete ihn. Sie war schwanger und erwartete das Kind, wie ihr der Engel gesagt hatte. Als die beiden nach Bethlehem kamen, war die Stadt überfüllt. Wo sollten sie nun unterkommen? Maria spürte: bald würde ihr Kind zur Welt kommen, vielleicht schon in dieser Nacht. Gab es denn für dieses Kind keinen Raum in der Stadt?Sie fragten und suchten nach einer Herberge. Aber am Ende fanden sie nur einen Stall. Stroh bedeckte den Boden. Und eine Futterkrippe stand in der Ecke. Und da geschah es: Mitten in der Nacht wurde das Kind geboren, von dem der Engel geredet hatte. Maria wickelte es in Windeln und legte es in die Krippe. Es war ein hilfloses Kind wie jedes andere. Und doch war es ein besonderes Kind: das Kind, das der Welt den Frieden Gottes bringen sollte.Noch war es ein Geheimnis. Niemand in Bethlehem ahnte, was in dieser Nacht geschehen war. Aber bald sollten es alle erfahren: Jesus, der Retter der Welt, war geboren. Es war Nacht. Draußen vor der Stadt wachten die Hirten bei ihren Schafen. Ganz dunkel wurde es um sie her. Aber plötzlich schreckten sie auf. Was war das? Mitten in der Nacht wurde es hell, taghell. Ein Licht leuchtete auf, noch heller als die Sonne. Und in dem Licht erschien ein Engel vor ihnen.Die Hirten wussten nicht, wie ihnen geschah. Sie waren geblendet von dem Licht und zitterten vor Angst. Aber der Engel sprach zu ihnen:„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allen zuteil werden soll. Denn euch ist heute der Retter geboren: Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das ist das Zeichen, an dem ihr den Retter erkennt: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“Als der Engel noch sprach, sahen die Hirten plötzlich noch viel, viel mehr Engel, die sangen und jubelten:„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“Die Hirten standen da und lauschten, bis der Gesang verklungen war. Dann wurde es wieder still und dunkel um sie her. Doch die Hirten riefen: „Habt ihr gehört, was der Engel gesagt hat? Der Retter ist da! In Bethlehem ist er geboren, in dieser Nacht! Auf, wir wollen gehen und sehen, was dort geschehen ist.“Da ließen sie ihre Schafe zurück und eilten nach Bethlehem und fanden das Kind mit Maria und Josef. Es lag in der Krippe und war in Windeln gewickelt, wie der Engel gesagt hatte. Da erzählten die Hirten, was sie gesehen hatten und was ihnen der Engel von diesem Kind gesagt hatte. Maria hörte ihnen zu, staunte und schwieg. Und sie dachte im Stillen daran, was ihr der Engel gesagt hatte.Die Hirten aber liefen hinaus auf die Straßen der Stadt, sangen und jubelten: „Gelobt sei Gott! Der Retter ist da! Hier in Bethlehem ist er geboren. Wir haben ihn mit eigenen Augen gesehen.“Jubelnd kehrten sie zu ihren Schafen zurück. Und als ihre Lieder längst verklungen waren, klang das Lied der Engel immer noch weiter in ihren Ohren: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!“

Simeon sieht den Retter (Lukas 2, 22 bis 35)

Jesus war in Bethlehem geboren. Aber in der Stadt Jerusalem wusste noch niemand, was inzwischen geschehen war. Immer noch herrschte dort König Herodes in seinem Palast und immer noch seufzten alle: Wann kommt der Retter, der uns endlich befreit? Zu jener Zeit lebte in Jerusalem Simeon, ein hochbetagter Mann. Der wartete seit Jahren auf den Retter Israels. Jeden Tag betete er: „Herr, lass mich den Retter sehen, ehe ich sterbe!“ Und er glaubte fest, Gott werde ihm seine Bitte erfüllen. Oft ging er zum Tempel und hielt dort nach dem Retter Ausschau. Aber vergeblich. Der Retter kam nicht.Eines Tages trieb es Simeon wieder zum Tempel. Es war ihm, als hätte er Gottes Stimme gehört: „Heute wirst du den Retter sehen.“ Gespannt sah sich Simeon im Vorhof des Tempels um. Da entdeckte er unter all den Menschen Maria und Josef mit ihrem Kind. Sie waren gekommen, um Gott ein Dankopfer zu bringen.Als Simeon das Kind sah, da wusste er plötzlich: dies war der Retter, den Gott seinem Volk schickte! Voller Freude nahm er das Kind auf seine Arme, dankte Gott und rief:„Herr, nun kann ich in Frieden sterben. Denn wie du gesagt hast, so ist es geschehen: Meine Augen haben deinen Retter gesehen. Der wird Licht und Hoffnung in unsere Welt bringen.“Dann wurde Simeon auf einmal ganz ernst. Er sah Maria an. „Dein Kind“, sagte er, „wird einmal viele aufrichten. Aber auch viele Menschen werden sich an ihm stoßen. Und du wirst seinetwegen viel Kummer haben.“

Heilung des Gelähmten (Markus 2, 1-12)

Am See Genezareth liegt die Stadt Kapernaum. Dort lebte ein Mann, der war seit vielen Jahren gelähmt. Er konnte nicht gehen und auch nicht stehen. Er konnte nicht einmal seine Hände und Füße bewegen. So musste er immer auf einer Matte liegen. Und wenn er Hunger hatte, fütterten ihn seine Freunde wie ein kleines Kind. Eines Tages aber kamen seine Freunde und riefen aufgeregt: „Hast du schon gehört? Jesus ist in der Stadt. Er kann dir gewiss helfen.“ Und bevor der Kranke noch antworten konnte, packten sie seine Matte und schleppten ihn aus dem Haus. Sie trugen ihn durch viele Straßen und Gassen, bis sie zu dem Haus kamen, in dem Jesus war.Aber wie sollten sie zu Jesus hineinkommen? Das Haus war überfüllt. Sogar draußen standen noch Leute und drängten hinein. „Macht Platz!“, riefen die Freunde. „Wir wollen zu Jesus.“ Aber niemand hörte auf sie. Da schauten sich die Freunde um und entdeckten eine Treppe außen am Haus. Sie führte auf das flache Dach. Dorthin trugen sie ihren gelähmten Freund. Sie deckten das Dach ab, machten ein Loch und schauten von oben ins Haus. Da sahen sie Jesus. Er stand genau unter ihnen und sprach zu den Leuten, die sich um ihn drängten. Vorsichtig machten die Leute das Loch größer, knüpften die Matte an Seile und ließen sie langsam mit dem Gelähmten hinab, bis er vor Jesus lag. Da schaute Jesus auf. Als er die Freunde sah, die voller Erwartung auf ihn blickten, wandte er sich zu dem Kranken und sprach: „Mein Sohn! Deine Sünden sind dir vergeben.“Da wurde es auf einmal still in dem Haus. Alle starrten auf Jesus. Was hatte Jesus gesagt? `Dir sind deine Sünden vergeben´? Was sollte das heißen? Einige Gelehrte waren dabei, die murmelten empört: „Unerhört! Was erlaubte sich dieser Jesus? Nur Gott kann Sünden vergeben. Bildet sich Jesus etwa ein, er sei Gott?“Jesus aber wusste, was die Gelehrten dachten. „Was meint ihr?“, fragte er sie. „Was ist leichter: die Sünden vergeben oder die Krankheit heilen? Aber ihr sollt wissen, dass Gott mir die Macht gab, beides zu tun.“Danach wandte er sich zu dem Kranke und sprach: „Steh auf! Nimm deine Matte und geh!“Da konnte der Mann auf einmal wieder seine Beine und seine Hände bewegen. Sogleich stand er auf, nahm seine Matte , bahnte sich einen weg durch die Menschen und ging fröhlich nach Hause.Die Leute aber sahen fassungslos zu, wie er davonging. „Noch nie haben wir so etwas gesehen“, riefen alle voll Staunen. Und einer nach dem anderen fing an, Gott laut zu loben, bis das ganze Haus von ihren Lobliedern erfüllt war.

Jesus räumt auf (Matthäus 21, 12-13)

Im Tempel von Jerusalem ging es hoch her. Viele Festgäste drängten sich im Vorhof des Tempels. Dort hatten Händler Tische aufgestellt. Sie verkauften Opfertiere: Tauben und Schafe und sogar große Ochsen.Es war ein Lärm wie auf einem Jahrmarkt. Die Tauben gurrten. Die Schafe blökten. Die Händler lärmten und feilschten. Die Käufer klimperten mit dem Geld. Und immer mehr Menschen strömten durch das Tor in den Vorhof. Sie kauften und verkauften und tauschten Neuigkeiten aus: „Habt ihr schon gehört?“, riefen sie einander zu. „Jesus ist in der Stadt! Ob er auch in den Tempel kommt? Ob er uns endlich zeigt, was er kann und wer er ist?Da kam Jesus durch das Tor. Als er die lärmenden Händler sah, machte er aus Stricken eine Peitsche, lief auf sie zu und rief voll Zorn: „Was fällt euch ein? Dies ist ein Gotteshaus. Ein Bethaus soll es sein. Aber ihr? Was habt ihr daraus gemacht? Eine Räuberhöhle!“ Und er warf ihre Tische um, sodass das Geld auf den Boden rollte und die Tauben ängstlich hochflatterten. Da ergriffen die Händler eilig die Flucht. Auf einmal war es ganz still. Die Leute sahen auf Jesus und wussten nicht, was sie sagen sollten, so erschrocken waren sie.

Fußwaschung (Johannes 13, 1-15)

Gegen Abend kam Jesus mit den Jüngern zum Saal, wo sie das Passahmahl feiern wollten. Als aber die Jünger die Schüssel und den Wasserkrug sahen, wunderten sie sich: Wo war der Diener, der ihnen die Füße wusch? Es gab hier keinen Diener. Sollten sie etwa selbst diese Schmutzarbeit tun? „Unmöglich!“, sagten sie sich. „Wir sind doch keine Diener.“ So setzten sie sich einfach mit staubigen Füßen zu Tisch. Da stand Jesus vom Tisch auf. Er sagte kein Wort. Er band sich ein Tuch um, goss Wasser in die Schüssel, trug sie zu den Jüngern, beugte sich zu ihnen herab und fing an, ihnen die Füße zu waschen.Die Jünger waren entsetzt. Wie? Jesus, ihr Herr und Meister, wollte ihnen die Füße waschen? Er war doch nicht ihr Diener. „Aber Herr“, rief Petrus, „was machst du? Das lasse ich nicht zu, auf gar keinen Fall.“Doch Jesus entgegnete: „Du verstehst mich nicht, Petrus, noch nicht. Aber bald wirst du wissen, warum ich das tue. Glaube mir: Wenn ich es nicht tue, gehörst du nicht richtig zu mir.“„Dann wasch mich bitte ganz!“, bat Petrus. „Auch meine Hände und mein Gesicht.“ „Das ist nicht nötig“, sagte Jesus zu ihm. „Wenn ich deine Füße wasche, dann ist es genug.“ Und er fuhr fort, allen Jüngern die Füße zu waschen.Danach stand Jesus auf, trug die Schüssel zurück, setzte sich an den Tisch und sagte zu seinen Jüngern: „Seht, ich bin euer Herr. Und doch habe ich getan, was sonst nur ein Diener tut. So sollt auch ihr Diener sein und einander dienen.“Da schwiegen die Jünger beschämt. Sie spürten alle: Dies hatte Jesus für sie getan Und sie begannen zu ahnen: Bald würde er noch viel mehr für sie alle tun.

Letztes Abendmahl (Matthäus 26, 20-29)

Endlich war es soweit: Das Passamahl konnte beginnen. Auf dem Tisch stand ein festliches Essen mit Lammfleisch, Kräutern und Soße, mit flachem Brot und einem großen Becher, der mit Wein gefüllt war. Die Jünger saßen um den Tisch und schauten voller Erwartung auf Jesus.Da sagte Jesus traurig: „Dies ist das letzte Mahl, das ich mit euch esse. Bald werde ich nicht mehr bei euch sein. Sie werden kommen, mich verhaften und töten. Und einer von euch wird mich verraten.“Die Jünger sahen sich entsetzt an. Jesus verraten? Unmöglich! Wen meinte Jesus? „Herr“, fragten sie, einer nach dem anderen, „meinst du etwa mich?“ „Oder bin ich´s etwa?“ „Oder ich?“ „Nein“, sagte Jesus. „Der ist es, der jetzt mit mir aus der Schüssel isst. Der wird mich verraten.“ „Doch nicht ich?“, fragte Judas. „Doch“, sagte Jesus, „du bist es.“Aber die anderen Jünger verstanden nicht, was hier vor sich ging. Sie saßen da und warteten, dass Jesus über dem Brot und Wein die Worte sprach, die immer beim Passamahl gesprochen wurden, Worte, die an den Auszug aus Ägypten erinnerten. Da nahm Jesus das Brot, dankte Gott, brach es, gab es seinen Jüngern und sprach:„Nehmt und esst! Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“Danach nahm er auch den Becher, dankte Gott, gab ihn seinen Jüngern und sprach:„Trinkt alle daraus! Das ist mein Blut des neuen Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“Da horchten die Jünger auf. Nein, das waren nicht die Worte, die sonst beim Passamahl gesprochen wurden. Das waren neue, unerhörte Worte! Worte, die von ihrem Herrn und von seinem nahen Tod sprachen. Schweigend nahmen sie das Brot aus seiner Hand , dazu den Becher mit Wein und aßen und tranken. Aber sie spürten: Alles war anders bei diesem Passamahl. Sein eigenes Leben gab Jesus für sie hin.

Kreuzigung (Matthäus 27, 31-54)

Vor den Mauern der Stadt lag der Hügel Golgatha. Dort sollte Jesus gekreuzigt werden. Die Soldaten schleppten ein Kreuz aus Holz herbei, legten es Jesus auf den Rücken und führten ihn hinaus vor die Stadt. Viele Menschen folgten dem Zug. Aber das Kreuz war zu schwer. Jesus brach fast zusammen. Da winkten die Soldaten einem Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Kyrene. Ihn zwangen sie, das Kreuz zu tragen. Endlich erreichten sie den Hügel Golgatha. Die Soldaten legten Jesus auf das Kreuz, nagelten ihn an das Holz, an Füßen und Händen, und richteten das Kreuz auf.Danach setzten sie sich unter das Kreuz und verlosten die Kleider, die Jesus gehörten. Aber oben am Kreuz hatten sie ein Schild angebracht, darauf stand geschrieben: „Dies ist Jesus, der König der Juden.“Auch zwei Verbrecher wurden mit Jesus gekreuzigt, rechts und links von ihm. „Ha“, höhnte der eine, „wenn du der König bist, dann zeig uns doch, was du kannst!“ „Ja“, fielen andere ein, die am Kreuz vorübergingen. „Steig doch vom Kreuz herab, wenn du Gottes Sohn bist!“„Ja, recht so“, spotteten auch die Priester und Ratsherren. „Seht! Anderen hat er geholfen. Aber sich selbst kann er nicht helfen. Wenn er wirklich der König der Juden ist, dann soll er jetzt zeigen, was er kann. Dann wollen wir gern glauben.“Aber nichts geschah. Mit ausgestreckten Armen hing Jesus am Kreuz und ließ alles stumm geschehen.Um die Mittagszeit aber wurde es plötzlich ganz dunkel. Die Sonne verschwand. Und Nacht brach herein, mitten am Tag.Stunden vergingen. Aber es schien, als wollte der Himmel nie mehr hell werden. Da schrie Jesus laut: „Mein Gott! Mein Gott! Warum hast du mich verlassen?“„Hört!“, spotteten einige. „Jetzt schreit er um Hilfe.“ Und einer von ihnen nahm einen Schwamm, tauchte ihn in Essig und gab Jesus zu trinken.Aber die anderen spotteten weiter: „Halt! Lasst sehen, ob ihm einer hilft!“ Doch Jesus schrie noch einmal laut auf. Dann wurde es still. Totenstill. Jesus war tot.Aber sieh da! Plötzlich bebte die Erde. Steine krachten. Felsen barsten. Und im Tempel riss der Vorhang mitten entzwei.Unter dem Kreuz aber stand ein römischer Hauptmann mit seinen Soldaten. Als dieser sah, was hier geschah, rief er: „Wahrhaftig! Dieser Mensch war wirklich Gottes Sohn.“

Die erste Gemeinde: Petrus predigt und viele lassen sich taufen (Apostelgeschichte 2)

Fünfzig Tage nach Ostern feierten die Juden in Jerusalem wieder ein Fest, das Pfingstfest. Es war das Fest, an dem sie an den Bund dachten, den Gott einst mit ihren Vorfahren am Berg Sinai geschlossen hatten. Jahr um Jahr kamen viele Besucher zum Fest. Sogar aus fernen Ländern reisten sie an. So war es auch in diesem Jahr. Aber an diesem Pfingstfest geschah etwas Unerhörtes. Es war Morgen. Auf den Straßen von Jerusalem waren schon viele Menschen unterwegs zum Tempel. Aber plötzlich – was war das? Es brauste, als ob ein Sturm losgebrochen sei. Erschrocken blieben die Leute stehen. Sie schauten sich um: Woher kam das brausen?Da bemerkten sie ein Haus. Brausender Jubel drang durch die Fenster. Das ganze Haus schien erfüllt davon. Neugierig liefen die Leute hinzu. Da sahen sie: In dem Haus waren Jesu Jünger versammelt. Die jubelten, sangen Loblieder und beteten laut. Es sprudelte nur so aus ihnen heraus. Und über ihren Köpfen leuchtete es, als ob sie Feuer gefangen hätten.Die Leute kamen aus dem Staunen nicht heraus. „Was ist nur in diese Menschen gefahren?“, fragten sie erschrocken.Und einige riefen bestürzt: „Sie reden ohne Aufhören, und wir alle verstehen sie, obwohl wir von weither kommen. Woher kennen sie unsere Sprache?“ „Ach was!“, spotteten andere. „Die lallen doch nur! Sie sind betrunken. Das ist alles.“Aber niemand verstand wirklich, was hier geschah: Gottes Geist hatte Jesu Jünger erfasst. Unbeschreíbliche Freude erfüllte sie. Alle Angst war verflogen. Nun hatten sie Mut, zu den Menschen zu gehen und von Jesus zu reden. Weit öffneten sie ihre Tür und gingen hinaus auf die Straße. Dort hatte sich inzwischen schon eine riesige Menge versammelt. Und immer noch kamen Menschen hinzu und fragten: „Was ist los? Sagt, was geht hier vor?“ Aber niemand konnte sagen, was wirklich geschehen war.Da rief Petrus laut in die Menge: „Ihr Juden, hört mir zu! Ich will euch sagen, was geschehen ist. Wir haben keinen Wein getrunken, wie ihr meint. Sondern Gott hat uns seinen Geist geschenkt. Darum reden wir zu euch und sagen euch, was uns bewegt: Ihr kennt doch Jesus von Nazareth? Wisst ihr noch, was er getan hat, wie er geholfen und geheilt hat? Ihr habt das alles mit eigenen Augen gesehen. Und dennoch habt ihr ihn umgebracht. Doch hört: Dieser Jesus von Nazareth ist nicht tot. Er lebt! Gott hat ihn auferweckt. Wir haben ihn selbst gesehen. Glaubt uns: Er ist wirklich der König, auf den wir gehofft haben. Er ist der Retter und Herr über die ganze Welt: Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“Als das die Leute hörten, ging es ihnen durch und durch. Und sie fragten betroffen: „Was sollen wir denn tun?“ „Kehrt um!“, rief Petrus. „Bittet Gott, dass er euch eure Sünde vergibt! Und lasst euch taufen auf den Namen Jesu! Dann wird Gott euch seinen Geist schenken.“Da ließen sie sich taufen, 3000 Menschen an einem Tag. Es wurde das fröhlichste Pfingstfest, das sie je gefeiert hatten. Gott hatte einen neuen Bund mit ihnen geschlossen durch die Taufe.Von nun an gehörten sie alle wie eine große Familie zusammen, alle, die auf den Namen Jesu Christi getauft waren. Jeden Tag trafen sie sich in ihren Häusern, aßen miteinander und beteten, sangen Loblieder und hörten, was die Jünger von Jesus erzählten. Christen nannten sie sich, weil sie an Jesus Christus glaubten und auf seinen Namen getauft waren.